Was ist Popularmusik?

veröffentlicht am 4. März 2015

Jan Keßler

Fischbek | Die Cornelius-Gemeinde hat zu Beginn dieses Jahres einen Arbeitsbereich Popularmusik eingerichtet und eine entsprechende Stelle (15 Wochenstunden) mit mir, einem Popularkirchenmusiker, besetzt. Popularmusik, Popularkirchenmusik, das sind etwas sperrige Begriffe. Was bedeuten sie eigentlich? Dass Popularkirchenmusik Popularmusik mit – ganz weit gefasst – christlichen Inhalten ist, das ist wohl nachvollziehbar. Aber was ist Popularmusik?

Wenn man sich dem Begriff der Popularmusik im Gegensatz, oder noch besser, in Ergänzung zur Klassischen (Kirchen-)Musik nähert, stellt sich die Frage: Was ist eigentlich Klassische Musik? Mit diesem Begriff ist ja nicht die Zeit der Wiener Klassik gemeint, einer relativ kurzen Epoche von Mitte/Ende des 18. Jahrhunderts bis Anfang/Mitte des 19. Jahrhunderts, die sehr eng mit den Namen Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven verknüpft ist. Vielmehr ist es ein Sammelbegriff, der viele Epochen und Musikstile zusammenfasst wie z.B. Barock, Romantik, Gregorianische Gesänge etc.
Ähnlich verhält es sich mit dem Begriff Popularmusik. Wenn man auf die Internetseite des Fachbereichs Popularmusik der Nordkiche geht, kann man dort folgenden Text lesen:

„Popularmusik – dieses Wort ist ein Sammelbegriff für jene Musikstile, die sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts aus Spiritual, Blues, Folk und Jazz entwickelt haben. Beinahe zahllose musikalische Ausdrucksformen sind seither entstanden. Manche davon weltweit populär, wie Rock und Pop, manche von mehr regionaler Bedeutung, wie z.B. Cajun, eine faszinierende Spielart der Folkmusic Louisianas…“

Alle diese Musikstile unterscheiden sich rhythmisch, in der Instrumentierung, harmonisch, vom Spielgefühl sowie in der Darbietung deutlich von klassischen Musikstilen. Viele Menschen nehmen diese Musik als leichter zugänglich war – ist sie doch auch aus der Volksmusik entstanden und trägt diese noch heute im Namen (lat. populus: das Volk, engl. popular: beliebt). Vielfach wird Popularmusik auch mit Unterhaltungsmusik gleichgesetzt und hat vielleicht deshalb neben der Klassischen Kirchenmusik einen schweren Stand. Vieles spricht allerdings für Popularmusik in der Kirche, nicht nur bei Veranstaltungen wie dem Kirchentag oder Konzerten, sondern auch sonntagsmorgens im Gottesdienst, denn sie spielt im Alltag der Menschen eine große Rolle. Warum sollte sie dann aus dem Gottesdienst ausgeschlossen werden? Die Frage nach Klassischer Kirchenmusik oder Popularkirchenmusik entscheidet sich in erster Linie nicht daran, welche Lieder man spielt, sondern wie man sie spielt.

Was bedeutet das jetzt für meine musikalische Gestaltung von Gottesdiensten?
Das auffälligste Merkmal kann man nicht nur hören, sondern auch sehen: Ich spiele nicht auf der Orgel, sondern begleite Euch und mich mit der Gitarre. Dabei bediene ich mich verschiedener oben genannter Musikstile. Dadurch, dass die Gitarre transportabel ist und ich mich nach vorn in den Altarraum setzen kann, seht Ihr mich und ich sehe Euch. Das ermöglicht eine andere Form der Verständigung zwischen Musiker und Gemeinde und fördert das gemeinsame Singen. Und dadurch, dass ich ein Mikrofon vor der Nase habe, kann ich die Musik im Gottesdienst anmoderieren und Euch direkt ansprechen.
Die Popularkirchenmusik steckt im Vergleich zur Klassischen Kirchenmusik noch in den Kinderschuhen. Es gibt viel zu entdecken und auszuprobieren.

Jan Keßler