Sintflut, Arche Noah und Dächer über den Tischen – Alle reden vom Wetter, die Bibel auch

veröffentlicht am 19. Juli 2012

Von Klaus Merhof (epd)

«Es ist Regenzeit, man kann nicht draußen stehen», wusste schon der alttestamentliche Prophet Esra. Der Spruch passt zur gegenwärtigen Wetterlage, dem Thema Nr. 1 in Norddeutschland. Von kurzen Sonnen-Stunden abgesehen, treibt der Regen die Urlauber an den Küsten Schleswig-Holsteins wahlweise in ihre Quartiere oder in den «Ostfriesen-Nerz». Hamburg-Touristen bestaunen in der brückenreichsten Stadt Europas nicht nur Elbe, Hafen und Alster, sondern fluchen vor allem über das Wasser von oben. Kaum trösten, aber vielleicht erheitern kann ein Blick in die Bibel.

Die weltweit bekannteste Regen-Geschichte ist der biblische Bericht über die Sintflut im 1. Buch Mose. Gott kündigt Noah die Sintflut an und befiehlt ihm, eine Arche zu bauen – für sich, seine Familie und von jedem Tier ein Paar: «Mache dir einen Kasten von Tannenholz mit Kammern darin», heißt es in Kapitel 6, Vers 14. Dann ließ er es regnen, 40 Tage und 40 Nächte lang. Am Ende schuf Gott den Regenbogen als Treuezeichen dafür, dass «niemals wieder eine Sintflut eintreten solle, um die Erde zu verheeren» (Kapitel 9, Vers 11). Ganz abgeschafft wurde der Regen damit indes nicht, wie jeder Strandurlauber derzeit leidvoll erfahren kann.

In allen Religionen spielt der Regen eine Doppel-Rolle: Als Macht der Fruchtbarkeit und als Macht der Zerstörung. Der Regen ist daher nicht nur einfach gut oder schlecht. Hauptinteresse jedes Regen-Kultes ist der Regen zur rechten Zeit. «Du gabst gnädigen Regen», heißt es im biblischen 68. Psalm. Dagegen wieder beim Propheten Esra, in einem Bericht über eine Volksversammlung in Jerusalem: «Das ganze Volk saß zitternd wegen des strömenden Regens.»

Der Prophet Hesekiel berichtet von der ersten Spielart moderner Regenschirme, wenn er von «Dächern über den Tischen» schreibt, die das Opferfleisch vor Regen schützen sollen (Hesekiel Kapitel 40, Vers 43). Camper an Nord- und Ostsee können dieser Tage bestätigen, wie nützlich solche Einrichtungen sein können.

Auch im Neuen Testament gibt es weise Sätze über nasse Angelegenheiten. Im Lukas-Evangelium zeigt sich Jesus als treffsicherer Prophet für den Sommer 2012: «Wenn ihr Gewölk im Westen aufsteigen seht, dann sagt ihr sogleich: Es gibt Regen. Und es kommt auch so.» (Lukas 12, Vers 54). Und in der neutestamentlichen Apostelgeschichte (Kapitel 28, Vers 2) steht ein Satz, der sich als frühe Weissagung auf die behaglich trockenen Unterkünfte der heutigen Tourismusindustrie deuten lässt: «Die Leute aber erwiesen uns nicht geringe Freundlichkeit. Sie zündeten ein Feuer an und nahmen uns alle auf wegen des Regens, der über uns gekommen war, und wegen der Kälte.»