Nordkirche – Gründungsfest am Pfingstsonntag in Ratzeburg

veröffentlicht am 20. Mai 2012

Fünf Jahre lang wurde über die Nordkirche verhandelt. Jetzt wird am Pfingstsonntag, 27. Mai, der Zusammenschluss der Landeskirchen Mecklenburg, Nordelbien und Pommern in Ratzeburg mit einem bunten Stadtfest gefeiert. Erwartet werden mehr als 10.000 Besucher. Prominentester Gast im Festgottesdienst ist Bundespräsident Joachim Gauck.

Mit 2,3 Millionen Mitgliedern ist die Nordkirche die fünftgrößte evangelische Landeskirche und die erste über die ehemalige deutsch-deutsche Grenze hinweg. Ihr Gebiet reicht von Helgoland bis Rügen, von der dänischen bis zur polnischen Grenze.

Nordkirche – Urlaubskirche
Schon jetzt gilt die Nordkirche als Deutschlands Urlaubskirche. Rund 850 Kilometer ist die Küstenlinie an Nord- und Ostsee lang. Rechnet man Inseln und Halligen mit, kommt man auf rund 3.000 Kilometer Küste. Dazu kommen attraktive Regionen im Binnenland wie die Mecklenburgische Seenplatte, die Holsteinische Schweiz und die Metropole Hamburg. Pünktlich zum Fest erscheint mit „Wind & Weite extra“ das erste evangelische Urlaubsmagazin.

Begegnungen auf Augenhöhe
Als die damalige Lübecker Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter 2007 die Verhandlungen zur Nordkirche startete, forderte sie „Begegnungen auf Augenhöhe“. Alle Gremien wurden gleichwertig mit Vertretern der drei Landeskirchen besetzt. Statistisch sind die Gewichte dagegen sehr ungleich verteilt: Nordelbien hat rund zwei Millionen Kirchenmitglieder, Mecklenburg 200.000 und Pommern nur 100.000.

In Schleswig-Holstein sind derzeit rund 60 Prozent der Bevölkerung evangelisch, in Hamburg sind es 41 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern 18 Prozent. Anders sieht es bei den Gotteshäusern aus: Nordelbien bringt 812 Kirchen und Kapellen ein, Mecklenburg und Pommern 1.182. Statistisch heißt dies, dass sich im Westen rund 2.600 Kirchenmitglieder eine Kirche teilen, im Osten sind es nur 260.

Fünf Bischöfe für die Nordkirche
Dennoch werden drei der fünf Bischöfe in Mecklenburg-Vorpommern arbeiten: In Greifswald hat Bischof Hans-Jürgen Abromeit (57) seinen Sitz, in Schwerin übergangsweise bis 2019 Bischof Andreas von Maltzahn (50). Auch der neue Landesbischof, der im kommenden Jahr gewählt werden soll, wird in Schwerin residieren. In Hamburg amtiert Bischöfin Kirsten Fehrs (50), und in Schleswig der Bischofsbevollmächtigte Gothart Magaard (56). Er ersetzt vorerst den Schleswiger Bischof Gerhard Ulrich (61), der Vorsitzender der Vorläufigen Kirchenleitung werden soll. Das Kirchenamt verbleibt in Kiel, nachdem Lübeck als Zentrum der Nordkirche gescheitert war.

Ratzeburg – Nahtstelle zwischen Ost und West
Ratzeburg, die Stadt des Gründungsfestes, galt schon vor dem Zusammenschluss zur Nordkirche als Nahtstelle zwischen Ost und West. Die Stadtkirche zählt zu Nordelbien, die Domhalbinsel jedoch traditionell zur Landeskirche Mecklenburg. Auch künftig wird der Dom seine Sonderstellung mit einem „Domprobsten“ behalten.

Festgottesdienst am Pfingstsonntag, 10 Uhr
Nach dem Festgottesdienst am Pfingstsonntag, der ab 10 Uhr live in der ARD übertragen wird, werden vor dem Dom rund 600 Tische festlich gedeckt und 5.000 Besucher mit Brot, Wurst, Käse und einem Schälchen Erdbeeren verköstigt. Sollte es regnen, setzen die Veranstalter auf Schirme und die Wetterfestigkeit der Besucher.

Aktionen, Konzerte und Spezialitäten
Am Nachmittag laden kirchliche Institutionen in 60 Zelten zu Musik, Aktionen und Spezialitäten ein. Eine 20 Meter lange begehbare Landkarte auf dem Markt zeigt die neue Nordkirche. Premiere ist für vier Kurzfilme über die „Schätze der Nordkirche“. Abends singen Inga Rumpf und Gerhard Schöne vor dem Rathaus. Zur Erinnerung an das Gründungsfest der Nordkirche bekommt jede der 1.067 Gemeinden eine kleine Linde geschenkt, die am Pfingstmontag zu Hause eingepflanzt werden soll.