Gemeindeversammlung in Cornelius

veröffentlicht am 18. Oktober 2016

Fischbek| Die Gemeindeversammlung am 10. Oktober war ein unvergessliches Ereignis für alle, die dabei waren. Sie machte abermals deutlich, wie lebendig die Cornelius-Gemeinde ist.

250 Menschen waren gekommen, um sich zu informieren und engagiert zu diskutieren und um schließlich deutlich zu machen, wie unverzichtbar die Cornelius-Kirche und ihr Gemeindehaus für den stark wachsenden Stadtteil mit seinen vielen Zukunftsaufgaben sind und bleiben werden.

In einem ersten Teil stellte Pastor Janke die Beschlüsse der Synode zur „Gemeinsamen Gebäudeplanung im Kirchenkreis Hamburg-Ost“ dar und würdigte ihre Ziele und Strategien für die Zukunft der Kirche. Der Synodenbeschluss kann klick hier im Einzelnen nachgelesen werden.

Danach hielt Bezirksamtsleiter Völsch einen Vortrag über die Entwicklung des Stadtteils Neugraben-Fischbek. Durch die drei Neubaugebiete „Neugrabener Vogelkamp“, „Fischbeker Heidbrook“ und „Fischbeker Reethen“ sowie durch die Folgeunterkünfte für Flüchtlinge und durch weitere kleinere Neubaugebiete wird die Bevölkerungszahl in Neugraben-Fischbek um mehr als 12.000 Menschen steigen (Das ist in etwa die gleiche Zahl an Menschen, die später einmal in der Hafencity leben werden). Viel neue Infrastruktur wird in den neuen Quartieren benötigt und von diesen angezogen werden.

Pastor Janke wandte diese Zahlen dann auf die Cornelius-Kirchengemeinde an. Im Gebiet der Cornelius-Kirchengemeinde wird sich die Bevölkerungszahl von derzeit 9.000 auf 18.000 verdoppeln.
Wenn man davon ausgeht, dass es unter den Flüchtlingen so gut wie keine ev.-luth. Christen gibt und für die anderen Zuzüge einen evangelischen Anteil von 20% annimmt (im Kirchenkreis Hamburg-Ost liegt er bei 28% und in Fischbek derzeit bei 34%), dann errechnet sich daraus ein Wachstum der Cornelius-Gemeinde von 3.100 auf 4.600 Seelen, ein Wachstum um 48%.
Pastor Janke erläuterte, dass die Planungen des Kirchenkreises auf linearen Verlängerungen der Trends der Vergangenheit beruhen und mithin rückwärtsorientiert sind. Prognosen hingegen müssen auch die Planungen für die Zukunft, wie die für die neuen Wohnquartiere, mit einbeziehen. Schon lange vor der Beschlussfassung der Synode hatte der Kirchengemeinderat den Kirchenkreisrat auf diesen Planungsfehler für den Stadtteil Fischbek aufmerksam gemacht.

Aus diesen Entwicklungen leiten sich zwei wichtige Schlussfolgerungen ab:

  1. Durch das Wachstum der Gemeinde wird sich schließlich auch die Einnahmesituation wieder erheblich verbessern.
  2. Eine derartiges Wachstums des Stadtteils verursacht eine große Umwälzung für das gesamte Gemeinwesen, für die Menschen, die bereits in Fischbek leben ebenso wie für die Menschen, die in diesem Stadtteil künftig heimisch werden wollen.

Zur Versorgung der künftigen Bewohner_innen in den neuen Wohnquartieren sind viele Maßnahmen in der Planung. Die Schulen werden deutlich erweitert, eine neue weiterführende Schule soll im Zentrum der Fischbeker Reethen errichtet werden, vier neue Kitas werden entstehen, dazu ist die Ansiedlung von Ärzten, Nahversorgern usw. geplant. Es wäre ein gravierender Fehler, wenn ausgerechnet die Kirche der einzige Akteur im Stadtteil sein würde, der sein Engagement nicht verstärken sondern sich sogar aus diesem Stadtteil zurück ziehen würde. Die Cornelius-Kirchengemeinde hat für die Entwicklung Fischbeks einen wichtigen Beitrag zu leisten, und der Kirchengemeinderat ist entschlossen, diese Zukunftsaufgaben anzunehmen.

Nach diesen Informationen führte die Gemeindeversammlung eine lebhafte Diskussion. Dabei war es eine große Enttäuschung, dass Pröpstin Decke keinerlei Bereitschaft erkennen ließ, sich auf diese Perspektiven mit ihren Zahlen und Fakten einzulassen. Eins ums andere Mal brachte sie zum Ausdruck, dass die Beschlüsse der Synode unumstößlich und nicht zu hinterfragen seien und disqualifizierte die Haltung der Cornelius-Gemeinde als eine „Mia-san-Mia-Mentalität“.

Etliche Gemeindeglieder – auch aus Nachbargemeinden – wiesen diese Äußerungen sehr bestimmt zurück und erzählten sehr persönlich von den gelingenden Kooperationen etwa in der Evangelischen Jugend Süderelbe oder in der Flüchtlingsinitiative Willkommen in Süderelbe.

Im Rahmen der Aussprache fasste die Gemeindeversammlung dann folgenden Beschluss:
„Die Gemeindeversammlung bittet den Kirchengemeinderat, die Cornelius-Kirche und das Gemeindehaus zu erhalten und die Gemeindearbeit in unseren wachsenden Stadtteil weiter zu entwickeln.“

Uns bleibt nun abzuwarten, ob der Kirchenkreis auf diesen Auftrag der Gemeindeversammlung reagiert und ob er bereit ist, seinen Beschluss in Hinblick auf die zukünftigen Veränderungen der Cornelius-Gemeinde zu überdenken und zu revidieren.