Bischöfin Kirsten Fehrs

veröffentlicht am 26. November 2011

Lübeck/Hamburg. Die neue nordelbische Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck, Kirsten Fehrs, hat am Sonnabend, 26. November, in ihrem Einführungsgottesdienst im Lübecker Dom die Vision eines Gnadenjahres entworfen.

In Anlehnung an Jesus erste öffentliche Predigt in seiner Heimatstadt Nazareth und die darin zitierten Worte des Propheten Jesaja „Der Geist des Herrn ist auf mir, zu verkündigen das Evangelium den Gefangenen, dass sie frei sein sollen und den Blinden, dass sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn“, sagte die Bischöfin vor mehreren hundert Gästen aus Kirchen, Politik und Gesellschaft sowie der internationalen Ökumene, dies könne bewirken, dass die Menschen gnädiger miteinander umgingen und Hoffnung spendeten.

„Wir brauchen Toleranz und Dialog der Religionen und Konfessionen“
„Die Welt ist total aus dem Lot – und wir als Teil dieser Welt sind es mit. Seelisch – wenn wir in dieser Schnelllebigkeit nicht endlich die Pause zu ihrem Recht kommen lassen. Ökologisch – wenn wir nicht endlich auf internationalen Klimakonferenzen wirksame Beschlüsse fassen. Religiös – wenn wir nicht endlich couragiert fundamentalistischen Hetzreden Einhalt gebieten“, sagte die Bischöfin.

Sie warnte davor, dass religionsfeindliche Positionen salonfähig werden könnten. Dies sollte alle unruhig machen. „Es ist deshalb unsere gemeinsame Aufgabe, als Religionen und Konfessionen gegen Intoleranz eine Ökumene der Dialogkultur zu leben – mit Muslimen, Juden, Buddhisten und untereinander als Christen aller Couleur.“ Gott dürfe nicht in Vergessenheit geraten, denn die Gesellschaft brauche ihn und Menschen, die uns eine Vorstellung gäben von Gottes Möglichkeiten in dieser Welt.

Gesellschaft und Kirche müssen aufflammender Fremdenfeindlichkeit begegnen
Ein Gnadenjahr, das allen Hoffnung signalisiere, halte unsere Empfindsamkeit wach, so Kirsten Fehrs weiter. „Für die Zerschlagenen unserer Zeit. Für die Verstörten und Verstummten, die als Kinder Opfer wurden von sexualisierter Gewalt. Für die, die gefangen sind in ihrem Trauma. Aber auch für die, die in ihrer Verblendung die Wunden der Geschichte mit Nagelstiefeln treten.“ Es komme darauf an, der wieder aufflammenden Fremdenfeindlichkeit zu begegnen. „Indem wir der Menschen gedenken, die wie die Lübecker Märtyrer Widerstand geübt haben. Und indem wir der jüngsten Opfer gedenken. Deutlich mehr als hundert Menschen sind in Deutschland seit 1990 von Neonazis getötet worden – wie viele Morde werden noch aufgedeckt werden, jetzt nach den Zwickauer Ereignissen?“ so die Bischöfin.

„Auch ein Widerwort ist ein Hoffnungswort“
„Politik und Kirchen vereine das Entsetzen und die aktive Demonstration gegen rechts.“ Es gelte deshalb gemeinsam zu überlegen, was es Jugendlichen erleichtern könnte, aus dem Teufelskreis rechter Gewalt auszusteigen. Auch wenn man Zweifel haben könne, Gewaltbereite mit einem gnädigen Wort zu erreichen, es dürfe uns nicht daran hindern, auch auf diese Weise gegenzuhalten. „Auch ein Widerwort ist ein Hoffnungswort“, so Bischöfin Kirsten Fehrs.