Kindermund

von Pastor Ulrich Krüger veröffentlicht am 9. Mai 2012

Neulich las ich in der Zeitung von einer kleinen Begebenheit, die mich nachdenklich gemacht hat:

Da geht ein kleiner Junge neben seiner Oma her. Auf einmal fängt er an zu hüpfen, wie es bei Kindern von Zeit zu Zeit so vorkommt, und sagt: „Oma, ich bin so glücklich, weil ich ich bin!“

Was für ein Satz!

Ich finde ihn sooo schön. Und gut.

Und ich denke gleichzeitig: „Wie viele große Leute würden das wohl von sich sagen?“ Ich fürchte: Viel zu wenige.

 

Woran liegt das? Verlieren wir etwas vom kindlichen Gemüt auf dem Weg ins Erwachsen werden? Nun, wir werden immer kritischer (auch selbstkritischer). Wer eine Zeit lang in unserer Gesellschaft unterwegs ist, der wird mit fiesen Talentshows konfrontiert, die fordern, dass man immer besser werde. In der Schule gibt es Lernentwicklungsgespräche und später im Beruf dann Personalentwicklungsgespräche in denen einem klar gemacht wird: Da geht noch was! Du kannst mehr!

Und es häufen sich die Fälle derer, die von solchen Anschüben schlapp beschleunigt und leer gebrannt sind.

Wie kommt man nur dort wieder hin, wo der kleine Junge gewesen ist, als er sagte: „Oma, ich bin so glücklich, weil ich ich bin!“

 

Mir fällt ein fast vergessenes südamerikanisches Liebesgedicht ein, in dem eine junge Frau beim Wasser holen von einem jungen Mann beobachtet wird, und dabei merkt, dass sie auf einmal ihren Gang verändert. Sie sagt von ihm: „Unter seinem Blick werde ich schön.“

Wir reden davon, an bestimmten Stellen „Ansehen zu genießen“. Und diese Redensart zeigt viel von dem, was nötig ist. Wenn in der Gesellschaft Bestehendes kaum noch einen Wert hat und das Anzustrebende immer mehr zählt, dann braucht es eine Rückbesinnung. Und wir Christenmenschen wissen: die kommt nicht von innen, sondern von außen.

Im Alten Testament steht: „Gott sieht nicht auf das, worauf ein Mensch sieht. Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; Gott aber sieht das Herz an.“ (1. Samuel 16,7)

Und beim aufmerksamen lesen der Bibel erkennen wir: Gott sieht uns liebevoll an. Bei ihm genießen wir Ansehen. Das kann einen glücklich machen, denn es ist nichts, was man selbst heraufbeschworen hat. Gott schenkt seine Liebe aus eigener freier Entscheidung.

Und selbst die kritischsten Geister sollten dann einen anderen Gang einlegen und sagen können: „Ich bin so glücklich, weil ich ich bin!“

 

Was ich Ihnen nun wünsche, können Sie sich sicherlich denken …

Ihr Pastor Ulrich Krüger

Pastor Ulrich Krüger