Erntedankpredigt in Reimen

von Pastor Gerhard Janke veröffentlicht am 7. Oktober 2012

Die Predigt, meine lieben Leute,
am Sonntag zu der Ernte Dank,
ist etwas ganz Besonderes heute,
ist ein Gedicht, ist Reimesklang.

Gewiss ein großer Dichter bin ich nicht,
doch will ich wohl mein Bestes geben,
verfasse also ein Gedicht,
von Gottes gutem reichen Segen,

den er mit großer Freundlichkeit
und seiner starken Schöpferhand
hat ausgegossen weit und breit
über die Felder auf dem Land.

„Etwas viel Regen hat es gegeben,“
so habe ich es oft gehört,
bunt sind nun mal Natur und Leben,
mich hat das Wetter nicht gestört.

Mal scheint die Sonne, mal ist es nass,
das schützt uns doch vor Monotonie,
mal sind wir traurig, mal haben wir Spaß,
sind mal im Streit – dann Harmonie.

Das Leben ist ein bunter Strauß
von lauter Unterschiedlichkeiten,
und zwischen allem lugt heraus
die liebe Gott mit Freundlichkeiten:

Dem Bauern gibt er seine Ernte,
dem Schüler mal ’ne gute Zensur,
dem Rentner gibt er seine Rente,
bedanken wir uns auch dafür?

Oft sieht man ja nur seine Mühen,
die jedem werden abverlangt,
wir müssen schuften und parieren
den ganzen lieben Tag entlang.

Ein andermal mit Freud‘ und Lust,
voll mit Ideen und Elan,
die Arbeit ist ja nicht nur Frust,
und manches geht von selbst voran.

Ein wenig stolz schaut man zurück
auf das, was man erledigt hat,
und denkt sich dann: „Mit Fleiß und Glück
hab’ ich es warm und werde satt!“

Doch ist dies wohl ein großer Irrtum,
dem man nur allzu leicht erliegt,
allein durch Fleiß und unser Zutun
hat man das Schicksal nicht besiegt.

Sehr viel kann uns dazwischen hauen,
wovon man niemals hätt’ geträumt,
auf eigne Kräfte nur zu trauen,
da hat man Wichtigstes versäumt.

Denn unser ganzes schöne Leben
mit Freud und Leid und was es bringt
in Gottes Hände woll’n wir’s legen,
damit es glücklich uns gelingt.

Zwar stehen wir auf eignen Füßen,
sind stark und mutig und gewandt,
Gott kann sich nicht um alles kümmern müssen,
das ist uns allen wohl bekannt.

So sollen wir, wir kleinen Menschen
mit Gott dem Schöpfer Hand in Hand
für unsre schöne Erde wirken
und das nicht nur im eignen Land,

denn wenn wir unsre Blicke weiten
den Horizont noch weit hinaus,
dann werden wir sehr schnell begreifen:
Woanders sieht es anders aus.

Nicht alle haben Brot zu essen,
die Not für viele ist sehr groß,
sie werden von der Welt vergessen,
sind arm und elend und schutzlos.

Sie führen ein sehr hartes Leben,
schuften unmenschlich – Sklaverei!
Wir müssen etwas weiter geben,
sonst geht das Elend nie vorbei.

Schon Jesus sagt mit guten Worten:
„Wollt ihr mir etwas Gutes tun?
dann sollt ihr euren Nächsten dienen,
ihr werdet es niemals bereu’n.“

Denn auf dem Geben ruht der Segen,
das gilt selbst für das schnöde Geld,
das wir in die Kollekte legen
aus voller Hand – „Brot für die Welt“.

Und wenn man selbst bei diesem Thema
ob dieser Verse schmunzeln muss,
so ist und bleibt es doch die Wahrheit,
die Gott in unsre Herzen goss:

Was wir von ihm empfangen haben,
das halten wir nicht für Besitz,
wir wollen es reinvestieren,
damit es auch dem Nächsten nützt.

Das gilt für unsre ganze Ernte:
Korn, Früchte oder auch Verdienst,
das gilt für Stärken und Talente
und was das Leben sonst verschönt.

So ist es wohl der beste Brauch,
Gott allezeit zu danken,
die Hände dazu falten auch,
und ihn zu bitten für die Kranken,

die Hungrigen und die Verfolgten
und alle Menschen in den Kriegen,
dass sie die Speise schmecken sollten
und auch den guten süßen Frieden.

Nun fragen sich auch hier die Frommen,
ob denn ein Grund zu Dank besteht,
solange viele nicht bekommen,
was lindern könnte ihre Not.

Doch Hände, die sich gebend leeren,
und Herzen angefüllt mit Dank
und Ohren, die die Rufe hören,
sind stärker noch als die Weltbank.

Mit solcher Hoffnung dürfen wir
Gott für die guten Gaben preisen,
die er bereitet für und für,
um Mensch und Tier damit zu speisen,

ihm anbefehlen seine Welt,
er wird sie einst zum Guten wenden,
mit Dank wird sie dann angefüllt
und Lobgesang an allen Enden.

 

Pastor Gerhard Janke

Pastor Gerhard Janke